Als ich davon hörte, dass Nordwind gemeinsam mit Detlev Mohr vor dem Springcup ein 16er Training plante, habe ich mich entschlossen, dies auch für am HC 14 Interessierte aus Surendorf anzubieten. Diese Interessierten waren Lilith und Henry und auch Mathias und Rainer gesellten sich dazu.
Erstgenannte wurden mir als “blutige” Anfänger angekündigt. Nachdem wir meinen Cat gemeinsam aufgebaut hatten, stellten wir ihn auf einen Slipwagen an den Strand. 4 Ecken, 4 Leute hielten ihn in der Waage. So konnte man das Boot hin und herdrehen und so simulieren, was das Boot tun würde, wenn einer von uns auf dem Boot sich bewegt, die Ruder bewegt, die Schot bedient und was das Segel machen würde. Zunächst begannen wir ohne Schot und Segel. Es galt zu vermitteln, dass ein Cat nun mal schlechter wendet als eine Jolle, die Pinne nicht vor dem Körper geführt wird und man geduldig sein möge und die Bewegungen geschmeidig ausgeführt werden sollten. Dabei kann die Pinne durchaus nach hinten ins Wasser geworfen werden und mit der Hand an der Anlenkstange die Wende eingeleitet werden. Wichtig auch: Die Ruderblätter bis zum Anschlag blockieren bis die Buge herumgedreht sind. Die motorische Erinnerung wurde durch mehrmaliges Wiederholen des auf Knien nach hinten drehendes “Krabbeln”, am Heck die Anlenkstange fassen, dann weiter drehen, nach vorne gucken, was der Verklicker macht (oder die Windbändsel machen) und abschließend mit dem Ruder abfallen, um neu Geschwindigkeit aufzunehmen. Soweit klappte die Übung. Dann kam das Segel mit Schot ins Spiel. Körper- und Ruderbewegung waren eingeübt. Nun ging es um Timing. 1.) Schot aus der Klemme und aus der Hand fahren. 2.) Ruder sanft legen und Boot dadurch luven. (Tipp 1: Manchmal hilft ein wriggender Stoß kurz vorm Umlegen der Rümpfe mit) Ruderanlage auf Anschlag blockieren und der Pinne folgen,
Schot loslassen und mit der Schulter den Baum anheben, damit das Segel wirklich aufmacht. Baum über den Rücken auf die neue Leeseite rutschen lassen, Pinne umgreifen, zum Verklicker sehen, auf die umschlagenden Latten hören (wenn der Wind ausreicht), möglicherweise auch jetzt von der neuen Luvseite aus durch wriggendes Stoßen mit den Ruderblättern die Drehung unterstützen, Blätter auf leicht abfallenden Kurs einstellen und blockieren durch Draufsetzen oder unter die Achsel klemmen ( Tipp 2: Ein Stoß mit der Schulter gegen die Wante kann auch unterstützen). Erst wenn man wirklich “durchgedreht” ist, mit beiden Händen (so weit muß die Schot gefiert sein) diese wieder dicht nehmen und Fahrt aufnehmen. Wende komplett. Sogar theoretisch beim Beschreiben der Abläufe ist das kompliziert und in der Praxis auch. Deswegen wiederholten wir das oft.
Dann ging es noch darum, was man tun kann, wenn es dann doch mal nicht geklappt hat, aus welchen Gründen auch immer: In einen Winddreher gewendet, Schwell von anderen Wasserfahrzeugen, hektisch geworden oder einfach Fehler gemacht, auf der Schot gesessen oder was auch immer. Dann das Segel mit der Hand gegen den Wind drücken Ruder auf Anschlag stellen und rückwärts auf den gewünschten Bug fahren und dann versuchen, wieder Fahrt aufzunehmen.
Auch das “Parken”, was eigentlich ein langsames Rückwärtstreiben ist, war Thema. Dazu Travellerschlitten ganz nach Lee, Ruder auf Anschlag und Schot dicht nehmen.
Die Halse brauchten wir nicht so ausführlich üben, habe ich nur kurz gezeigt. Mittlerweile erfuhr ich, dass Lilith bei Nordwind als Segellehrerin für Optisegler arbeitet und Henry dort eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann macht. Ich also eigentlich eine kostenlose Fortbildung für NordwindmitarbeiterInnen gemacht hatte. 14er-Laien mögen sich gewundert haben, wieso das Training
nicht auf dem Wasser durchgeführt wurde. Auf dem Wasser ist die Kommunikation deutlich erschwert, die Grundlagen nicht so intensiv vermittelbar und die Methode mit “aufgebocktem” Cat hat sich über die Jahre in Zülpich, Bostalsee und anderswo bewährt. Außerdem hat der hohe Input den Effekt, dass Lilith und Henry in Surendorf als Multiplikatoren für 14er-Neueinsteiger wirken könnten. Henry ging dann noch aufs Wasser, kam aber gleich mit Rudernockproblemen zurück. Mathias lieh ihm sein Boot und er konnte das Gelernte damit anwenden. Danke Mathias dafür und auch Rainer für Eure Unterstützung. Am nächsten Tag wurde dann gesegelt, mit Wenden, Halsen, das ganze Programm mit Wasser unter den Rümpfen. Detlev ließ uns dann noch 2 Trainingsläufe gemeinsam mit den 16er absolvieren, die ich vom Strand aus beobachtete. Mein feedback dazu aus Trainersicht war erschütternd: Ich konnte nichts mehr hinzufügen. Das Training und vorhandenes Talent haben Früchte getragen. Die Manöver haben gesessen, die Boote liefen und die Mundwinkel der SeglerIn zeigten nach oben. Wer noch Zweifel an der Effektivität des Trainings hat, dem empfehle ich einen Blick in die Ergebnisliste des 14er Springcups, der am Folgewochenende stattfand.
Nordwind Spring Cup 2026 manage2sail
Wolfgang Ehrich




